Grundschulleiterin geht in Rente

 

Letzte Schultage sind oft sehr emotional. Freude und Ärger über das, was man geschafft oder nicht geschafft hat, liegen dicht beieinander. 59 Mal hat Elke Thier diesen Tag miterlebt, anfangs als Schülerin, später als Lehrerin und seit den 90er-Jahre als Schulleiterin. Der gestrige letzte Schultag an der Dahmer Grundschule war für die 65-jährige Hohenseefelderin zugleich der Abschied von Schulbank und -Tafel. Mit einem seit Wochen in aller Heimlichkeit geprobten Kulturprogramm bereiteten die Schüler ihrer scheidenden Direktorin einen herzlichen Abschied.

Nun hast du das Klassenziel erreicht und kannst dich auf das Mehr an Zeit mit Freunden, Familie und den Dingen, die zu oft zu kurz gekommen sind, freuen“ prophezeite Lydia Lehmann, die nun kommissarisch die Leitung der Schule übernimmt. Großen Einsatz, Organisationstalent und Mut zur Innovation hat das Kollegium Elke Thier im Zeugnis bestätigt. „Für dich war dies nie ein Job, den man mit links und 50 Fieber machen könnte, denn dafür hat der Lehrerberuf zu viel mit Menschen und mit Verantwortung zu tun und das System Schule ist dafür zu komplex“, fügt Lehmann dem Gesamtprädikat „Sehr gut“ hinzu.

Auch Bärbel Schmidt, als Kämmerin des Amtes Dahme mehr als einmal mit Elke Thier beim Thema Finanzen im Ringkampf, würdigte das Wirken Thiers mit Anerkennung und dankte für die, letztlich immer erfolgreiche, konstruktive Zusammenarbeit. Schulelternsprecherin Ulrike Lock und Fördervereins-Chefin Gisela Rackwitz dankten für das gemeinsam Erreichte. „Zwar steht dir jetzt die schönste Zeit jetzt erst bevor“, sagt Rackwitz, die zwölf Jahre lang Thiers Stellvertreterin war, „aber Dinge wie die Vorfreude auf schulfreie Sonnabende und Ferien wirst du vermissen.“

Viele Kollegen. Eltern und Schüler nutzten am Ende des Programms die Gelegenheit, um persönlich ’Danke’ zu sagen. „Sie war eine tolle Lehrerin und hat uns immer verstanden, wenn wir Problem hatten“, sagte Sechstklässler Henry Görner unter Tränen.

Lehrer zu werden stand für mich schon fest, als ich selber noch Schüler war“, blickt Elke Thier zurück. „Ich hatte einfach ganz tolle Lehrer, so dass ich nie über einen anderen Beruf nachgedacht hatte.“ Nach dem Deutsch- und Musiklehrerstudium an der Berliner Humboldt-Uni trat die gebürtige Jüterbogerin ihre erste Stelle in Altes Lager an. „Ein schwerer Start, denn die Schule befand sich bereits in Auflösung und die guten Lehrer, von denen ich als Anfängerin hätte lernen können, waren schon nicht mehr dort.“

Nach dem endgültigen Aus für die Schule kam Elke Thier 1977 nach Hohenseefeld. Als dort nach der Wende ein Schulleiter gesucht wurde, übernahm sie den Posten. Die Auflösung der inzwischen zur Grundschule umgewandelten Bettina-von-Arnim-Schule war eine der größten Enttäuschungen ihres Berufslebens. Die Bewerbung im den Schulleiter-Posten in Dahme war damals erfolgreich.

 

Quelle: MAZonline vom 04.07.2018

Uwe Klemens